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18 | 01 | 2018
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Materialfluss wird durch modulare Standardlösungen optimiert: Die Studie „Chancen und Risiken der Lagermodernisierung 2005“ ergab, dass die befragten Industrie- und Handelsunternehmen die größten Optimierungspotenziale in ihren Lagern und Distributionszentren im Bereich Materialflussteuerung sehen. Doch zwischen Erkenntnis und Handeln vergeht oft eine lange Zeit. Derzeit nutzen die wenigsten Unternehmen die Möglichkeiten aus, die die aktuelle Generation von Materialflusslösungen bietet. Mehr als 60 Prozent der Materialflussrechner-Software, die derzeit im Einsatz ist, sind veraltet – das schätzen jedenfalls Branchenexperten. Optimal für die Unternehmen wäre es, die Software nach spätestens fünf Jahren auf den aktuellen Stand zu bringen. Denn zu diesem Zeitpunkt kann das Unternehmen in der Regel noch auf erfahrenes Personal von der letzten Softwareumstellung zurückgreifen. In der Realität zögern die meisten Unternehmen diesen Schritt jedoch mindestens auf sieben bis zehn Jahre hinaus, da sie die Probleme der vergangenen Umstellung noch gut in Erinnerung haben und fürchten. Vielleicht mussten sie damals unter enormem Zeit- und Kostenaufwand eine Individuallösung aktualisieren oder implementieren oder die Anlagen mussten über Tage oder sogar Wochen stillgelegt werden, um den Austausch der Software zu ermöglichen. Deshalb ringen sich die Verantwortlichen zu diesem Schritt oft erst dann durch, wenn sich die Modernisierung nicht mehr vermeiden lässt, weil ein neues Lagerverwaltungssystem eingeführt werden soll oder die Steuerung der Regalbediengeräte von S5 auf S7 aufgerüstet werden muss. In der Zwischenzeit nehmen sie in vielen Fällen ein hohes Risiko im Hinblick auf Systemausfälle in Kauf. Sie spielen, zugespitzt formuliert, Roulette mit der Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens. Vor dem Hintergrund, dass die Modernisierung der Materialflusslösung heute völlig unproblematisch durchgeführt werden kann, ist dieses zögerliche Verhalten schwer nachzuvollziehen. Heute kann die Aktualisierung der Materialflussrechner-Software umgesetzt werden, ohne dass die Anlagen während der Betriebszeiten auch nur eine Minute stillgelegt werden müssen. Beim Automobilzulieferer Grote + Hartmann, der im Dreischichtbetrieb arbeitet, wurde zum Beispiel kürzlich ein neuer Materialflussrechner mit einem weiteren Rechner für den Hot-Stand-by-Betrieb implementiert. Bei diesem Projekt stand nur die Zeit zwischen Samstagmittag und Sonntag, 22 Uhr, für die Umstellung auf die neue MFR-Hardware und die Implementierung der MFR-Software matCONTROL zur Verfügung. Trotzdem konnte die Inbetriebnahme durch den Einsatz von innovativen Visualisierungs- und Test-Tools innerhalb weniger Wochen stattfinden. Breite Palette von Standardfunktionen Qualitativ hochwertige Materialflusslösungen bieten heute eine breite Palette von Standardfunktionen: jeweils ein Modul für Lagerverwaltungssoftware, Fördertechnik, Regalbediengeräte und Gassenwechsel sowie eine Auftragssteuerung über Prioritäten, ein Störmeldesystem, Service-Visualisierung, parametrierbare Schnittstellen etc. Optional sind weitere Funktionen wie Lagerleitstand-Visualisierung, Lagerplatzbuchung mit grafischer Anzeige der Lagerseiten, Zeitraffermodul für die Service-Visualisierung, Kommunikationsmodul zur Umsetzung zyklischer Kommunikation, Wege- und Streckenberechnungsmodul, Telegrammvervollständigung oder Dual-Server-Modul zum Spiegeln der Daten auf einen zweiten Rechner erhältlich. Es sind allerdings auch viele Systeme auf dem Markt, die die heutigen Möglichkeiten nicht ausschöpfen. Hier haben die Hersteller nur die unbedingt notwendigen Funktionen implementiert, wie zum Beispiel das Koppeln an eine neue Generation von Steuerungen. Bei einer Modernisierung sind die Unternehmen, die diese Systeme einsetzen, deshalb gezwungen, die Steuerung bzw. andere Teile der Hardware mit auszutauschen. Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Materialflussrechner oft von Lagerherstellern angeboten werden und dann ausschließlich mit deren Anlagen kompatibel sind. Die Technik ist heute allerdings so weit, dass frei parametrierbare Schnittstellen eingesetzt werden könnten, die einen von den Herstellern der Anlagen unabhängigen Einsatz des Materialflussrechners ermöglichen. Bei der Firma Olympus zum Beispiel wurden über die Materialflusslösung matCONTROL Anlagenkomponenten von fünf verschiedenen Herstellern angebunden. Dort werden an einem 10-Stunden-Arbeitstag mehr als 250.000 Telegramme zwischen den Komponenten und dem Materialflussrechner ausgetauscht. Ein Teil dieser Anlage war zu Beginn des Projekts bereits vorhanden und lief im Echtbetrieb. Der Rest des Anlagenkomplexes wurde nach und nach aufgebaut und im Testbetrieb am selben MFR betrieben. Das Anbinden von neuen Plätzen nahmen die Mitarbeiter von Olympus selbst vor, da die meisten Erweiterungen ohne Änderungen im Programm des MFR angebunden und getestet werden konnten. Generell geht die Entwicklung im Bereich MFR-Software hin zu immer mehr frei parametrierbaren Plätzen und Strategien. So soll der Nutzer auf alle Änderungen in seinen Anforderungen zukünftig selbst reagieren können. Beim Maschinenbauer Fecken-Kirfel GmbH & Co ist dies bereits Realität. Der Produzent von Schneidemaschinen für die Schaumstoff-, Gummi- und Korkindustrie setzt die Materialflusslösung matCONTROL in seinen Anlagen ein. Die Software kommt in den von Fecken-Kirfel produzierten Anlagen immer dann zum Einsatz, wenn verschiedene Schneidemaschinen in einem Produktionskomplex zusammenarbeiten und durch Fördertechnik verbunden sind. Diese Anlagenkomplexe verfügen über mehrere Verschiebewagen, die sich auf einer Schiene mit verschiedenen Parkpositionen für jeden der Shuttles bewegen. Außerdem sind alle Maschinen z. B. über Drehtische und Quertransporteinrichtungen miteinander verbunden, was einen Materialfluss in jede Richtung ermöglicht. Bisher wurde jede Transporteinrichtung durch die IPC-Steuerung der jeweiligen Maschine angesprochen, was immer wieder zu Materialstaus und unnötigen Wartezeiten führte. Heute sorgt das Wegemodul der MFR-Software dafür, dass die Verschiebewagen die Fahraufträge zeitoptimiert bewältigen und optimal mit den anderen Anlagenkomponenten zusammenarbeiten. Als weiterer Trend im Bereich Materialflussrechner-Software zeichnet sich der Einsatz von internen Webservern ab, damit Lademittel-Daten und Störmeldungen auch über einen Pocket-PC oder Palm und Internet-Explorer im WLAN des Lagers abgefragt werden können. Die passende MFR-Software auswählen Verantwortliche, die das Lager oder Distributionszentrum ihres Unternehmens heute mit einer zukunftstauglichen Materialflusslösung ausrüsten wollen, sollten verschiedene Aspekte beachten: Die Systemtopologie sollte aus drei Schichten bestehen – dem Lagerverwaltungssystem (LVS), dem Materialflussrechner (MFR) und den verschiedenen Anlagenkomponenten. Der MFR und das LVS sollten eigenständige Systeme und einzeln austauschbar sein. Dies hört sich wie eine Selbstverständlichkeit an, wird aber von einigen Herstellern aus verkaufsstrategischen Gründen nicht angeboten. Wichtig ist außerdem, dass das System modular aufgebaut ist. Nur so kann das Lager flexibel an die sich ändernde Auftragszusammensetzung angepasst werden. Ideal ist deshalb ein System, dessen Strategien von den Technikern des Unternehmens selbst geändert werden können. Weiterhin sollte das System generell einfach zu erweitern sein und vor allem offen für die Anlagenkomponenten anderer Hersteller. Zu guter Letzt sollten Verantwortliche darauf achten, dass die Anlage eine vollständige Dokumentation der Kommunikation zwischen den verschiedenen Anlagenkomponenten sicherstellt. So werden zum Beispiel bei Modernisierungen in hohem Maße Zeit und Kosten gespart. Aus demselben Grund ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Materialflusslösung bei der Erstinstallation möglichst wenige kundenspezifische Anpassungen erfordert. Das heißt, der MFR sollte standardmäßig zumindest die Grundanforderungen des Unternehmens abdecken. Daraus ergibt sich auch, dass das System so eingesetzt werden sollte, wie es konzipiert wurde. Das Hinzuprogrammieren von Masken und Funktionen aus bestehenden Systemen ist bei guten Materialflusslösungen in der Regel nicht notwendig. Aus Gründen der Datensicherheit ist darauf zu achten, dass eine aktive ereignisorientierte – nicht zyklische! – Spiegelung aller wichtigen Daten auf einen zweiten Rechner erfolgt. Der Automobilzulieferer Grote + Hartmann in Remscheid arbeitet zum Beispiel mit einem Dual-Server-Betrieb über Ethernet, damit der zweite Rechner aus Brandschutzgründen in einem anderen Gebäudeteil untergebracht werden kann. Über all diesen spezifischen Aspekten ist natürlich nicht zu vergessen, dass die Materialflusslösung dem aktuellen Stand der Technik entsprechen sollte, damit eine Versorgung mit Ersatzteilen möglichst lange gewährleistet ist. Fazit Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine Modernisierung der MFR-Software im Abstand von fünf Jahren empfehlenswert ist, um Kapazitäten und Ressourcen optimal zu nutzen und darüber hinaus langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Ideal ist hier der Einsatz einer modularen Standardlösung mit frei parametrierbaren Schnittstellen. Diese kann bei relativ geringem Aufwand an die individuelle Situation des jeweiligen Lagers angepasst und bei Bedarf von den eigenen Mitarbeitern weiter modifiziert werden. Literatur 1Chancen und Risiken der Lagermodernisierung 2005. Eine Studie der Unternehmen LOGO-TEAM, sysmat und Ehrhardt + Partner. Die Studie kann unter http://www.warehouse-modernisierung.de heruntergeladen werden.