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23 | 06 | 2018
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ICM Musiktheater Linz 03Vor rund 1.700 geladenen Gästen und den 200 Ensemblemitgliedern hat der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer im April 2013 das neue Musiktheater in Linz eröffnet. Begeisterten Applaus gab es während der Eröffnungswoche vor allem für die ersten Aufführungen und die moderne Bühnentechnik. Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt blieb das innovative Lagerkonzept, das die ICM Airport Technics als Generalunternehmer umgesetzt hat. Auf engstem Raum entstanden direkt hinter der Bühne ein vollautomatisiertes Kulissenlager für 55 Container auf fünf Ebenen sowie ein Prospektlager mit 30 Lagerplätzen. Besondere technische Anforderungen stellte die Theaterlogistik neben der Fördertechnik auch an das Lagerverwaltungssystem.

Wien und Salzburg stehen bislang für die große Operntradition Österreichs. Beide zählen unter Kennern zu den bedeutendsten Spielstätten weltweit. Mit dem neuen Musiktheater hat die Stadt Linz nun die Möglichkeit in diese Riege aufzuschließen. Auf dem Festakt zur Eröffnung ergänzte Bürgermeister Franz Dobusch die Ansprache des Bundespräsidenten und betonte: mit diesem Jahrhundertbau zähle Linz zur ersten Liga europäischer Kulturstädte. Aufgrund der technischen Ausstattung und seiner Niedrigenergiebauweise gilt das Opernhaus zudem europaweit als das modernste.

Platzmangel fördert Kreativität
So einzigartig wie das Gebäude nach dem Entwurf des britischen Architekten Terry Pawson ist auch das Lagerkonzept, das die ICM Airport Technics, ein Unternehmen der Unitechnik Group, umgesetzt hat. Der Grund für die besondere Ausführung des Kulissenlagers als fünfgeschossige Stahlfachwerkkonstruktion lag im relativ knappen Raumangebot in unmittelbarer Bühnennähe. „Als wir den Auftrag für die Lagertechnik erhielten, waren Gebäude und Statik bereits vorgegeben und nicht mehr änderbar. Im intensiven Austausch mit der technischen Leitung und dem Bühnenmeister haben wir dann eine Lösung zur Förder- und Steuerungstechnik entwickelt, für die es weltweit bislang noch keinerlei Erfahrungswerte gibt", umreißt ICM Projektmanager Alexander Bitzer die größte Herausforderung bei der Konzeptionsarbeit.

Dass der Spezialist für Logistik im Flughafenumfeld seine Kompetenzen auch in die Theaterwelt einbringt, ist dabei keine Ausnahme. Weitere Projekte hat das Unternehmen zum Beispiel bereits an den Opernhäusern in München und Oslo abgeschlossen. Technisch sind diese aber mit dem neuen Musiktheater nicht zu vergleichen, da die Kulissenlager in beiden Fällen als Außenlager konzipiert wurden und entsprechend mehr Lagerplatz bieten. Die integrierte Lösung in Linz spart Zeit und Transportwege zwischen Lager und Spielstätte und schont damit auch die Umwelt. „Die Theaterwelt ist klein und gut vernetzt. Nach unserer europaweiten Ausschreibung wussten wir daher sehr bald, welche Anbieter für uns in Frage kommen. Anhand der bekannten Referenzen hat uns ICM das passende Leistungsspektrum und vor allem die geforderte Qualität geboten", begründet Johannes Boehner von der Technischen Leitung des Landestheaters Linz die Auswahl des Lieferanten zur Realisierung dieses einzigartigen Lagerkonzeptes.

Kulissen in Bewegung
Auf fünf Ebenen bietet das Kulissenlager insgesamt 55 Stellplätze. Jeweils elf der eingesetzten Container mit einer Grundfläche von 8.200 x 2.400 mm und einer Nutzlast von 2,5 Tonnen werden mittels Rollen- und Kettenförderer in Längs- bzw. Querrichtung bewegt und rotieren auf jeder Lagerebene im Uhrzeigersinn. Über einen Lift werden die einzelnen Container dann auf einem von insgesamt sechs im Übergabebereich angedockten Lafettenwagen ausgefördert und können so vom Bühnenpersonal manuell auf der Bühne verfahren sowie be- und entladen werden. Die technische Raffinesse dieser Lösung liegt in dem sogenannten „chaotischen" Lagerprinzip begründet, das eine optimale Raumnutzung ermöglicht. Wie in einem riesigen Verschiebespiel werden die einzelnen Container solange umgelagert, bis die gewünschte Einheit den Lift erreicht, der diese dann zum Übergabebereich befördert.

Energieeffizienz schlägt Geschwindigkeit
„Bei der Lagerkonzeption und speziell der Programmierung der verwaltenden Software mussten wir zunächst die Abläufe und Prioritäten des Theaters genau definieren. Bei unseren Besprechungen wurde schnell klar, dass das Theater einerseits viel Wert auf eine energieeffiziente Gestaltung legt, andererseits aber auch Umschlagzeiten und Benutzerfreundlichkeit nicht außer Acht gelassen werden dürfen", erläutert Bitzer die Optimierungsaufgabe. Für die Priorisierung mussten zunächst die konkreten Anforderungen des Musiktheaters bestimmt werden: Wie viele Container werden im Schnitt pro Aufführung angefragt? Und in welcher Reihenfolge? Wieviele verschiedene Aufführungen sollen insgesamt eingelagert werden? Wie hoch darf der maximale Energieverbrauch sein? Welche Geräuschemission ist zulässig? Welche Wartezeiten sind bei der Auslagerung akzeptabel?

Antworten auf diese und andere Fragen sowie weitere Szenarioanalysen waren erforderlich, um das Lagerverwaltungssystem möglichst genau auf die spezifischen Kundenwünsche dieses Prototypen anzupassen. Die Software wurde von ICM gemeinsam mit einem Lieferanten speziell für dieses Projekt entwickelt und angepasst – aufbauend auf bekannten Modulen der Steuerungstechnik. Die Auslagerung eines Containers dauert nun, je nach Standort im Lager, systembedingt bis zu 50 Minuten. Ein Grund dafür: Die Fördertechnik arbeitet besonders energiesparend und leise. Auf diese Weise fügt sich auch die Lagertechnik in das Niedrigenergiekonzept des Gebäudes ein. Abends geben die Theatermitarbeiter nun auf einem Touchscreen ihre Auslageraufträge ein, die das System dann bis zum nächsten Morgen umgesetzt hat. So geht im täglichen Betrieb keine Zeit verloren. „Die Energieeffizienz der Anlage wirkt sich auch positiv auf das Gesamtbudget des Theaters aus. In der sehr kollegialen Zusammenarbeit mit ICM und weiteren Partnern konnten wir die Betriebskosten so gering wie möglich halten. Das Konzept einer Green Opera ist für uns kein reiner Selbstzweck", betont Boehner.

Kulissen auf der Bühne
Rigoletto, King Arthur oder Der Rosenkavalier – während der ersten Opernaufführungen im neuen Linzer Musiktheater konnten Vorteile und Leistungsfähigkeit des Kulissenlagers bereits unter Beweis gestellt werden. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Projekt- und Startphase steht ICM dem Musiktheater auch weiterhin als langfristiger Ansprechpartner für künftige technische Optimierungen und Serviceleistungen zur Verfügung.

Unternehmenskontakt

ICM Airport Technics GmbH
Ladenburger Str.10
68519 Viernheim
Tel.: +49 6204 70876-0
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